Ford.. “the ol’ oval”

 

Es ist immer wieder interessant, sich die Frage zu stellen, wo der Automobilbau heutzutage stehen würde, hätte Henry Ford nicht die Massenmobilisierung durch Fließbandfertigung eingeführt.
Welcher und wann hätte ein anderer Hersteller diese Produktionsart in großem Stil eingeführt?
Eine interessante Frage, gleichzeitig aber auch eine müssige Diskussionsbasis.

Unbestritten ist auf jeden Fall, dass mit Einführung der Fließbandproduktion im Automobilbau und der unvergessenen “Tin Lizzie” (dem Model T) Autos für die einfachen Menschen finanzierbar wurden und damit nicht nur eine Massenmobilisierung einsetzte, sondern auch ein - aus heutiger Sicht - geradezu unbeschreiblicher Wirtschaftsboom.
Schnell wurde die Produktionsmethode von anderen Automobilherstellern kopiert, was die Herstellungspreise weiter nach unten drückte und damit auch die Erschwinglichkeit weiter forcierte.

Doch der Reihe nach, denn auch die Lizzie ist nicht aus dem “Nichts” entstanden. Bis dahin war es noch ein kleiner Weg.

 

Ich möchte nun keine vollständige historishe Aufarbeitung des Ford-Konzerns hier präsentieren. Dazu gibt es schon zu viele Sites im Web, die sich ausschließlich damit beschäftigen und eine Doktorarbeit (auch die gibt es zu genüge) zu dem Thema soll es auch nicht werden.
Wer sich also für die vollständige Geschichte des Fordkonzerns interessiert, dem empfehle ich zum Einstieg die deutsche und amerikanische Version der Wikipedia und anschließend eine Nachtschicht in google ;-)

Hier an dieser Stelle soll nur ein grober Abriss der Geschichte stehen.
Die einzelnen Markenhistorien behandel ich in den entsprechenden Rubriken. Wenn hier jemand sagt: “Moment, da fehlt doch ‘Edsel’!”. Nun, da es sich dabei um keine aktuell bestehende Marke (Label) handelt, befindet sich die Geschichte von Edsel in der Hauptrubrik “lost old trades”

 

1903 -
Gründung des Konzerns in Detroit durch Henry Ford mit einem Kapital von 28.000$. Das Kapital wurde durch 12 Investoren aufgebracht, bei denen besonders 2 interessant sind:  Die Brüder John und Horace Dodge. Bevor sie selbst Automobilhersteller wurden, waren sie zuerst Gründungsinvestor von Ford und in den Folgejahren dessen größter Zulieferer im Bereich Fahrwerkskomponenten

Das erste Modell war das “Model A”, da Henry Ford seine Modelle alphabetisch benannte. So kam es, dass 1932 wieder ein Model A entstand und gleichzeitig ist es auch der Grund, war um das berühmte Model “T”, überhaupt  “T” hieß in seinem Erscheinungsjahr 1908.

Oldfield 999Besonders interessant ist auch die, schon zur Gründung, eng verbundene Geschichte von Ford mit dem Motorsport, denn zur Vorstellung des A-Modells stellte Henry Ford auf einem zugefrorenen See einen Gechwindigkeitsrekord auf der fliegenden Meile zurück, was dazu führte, dass der damals berühmte Rennfahrer Barney Oldfield das Auto auf eine Reise quer durch die USA mitnahm (unter dem Namen 999, in Anlehnung an die erste Dampflok - und damit Fahrzeug überhaupt -, die mehr als 100mph erreichte) und so den Namen Ford zu einem Begriff innerhalb der USA machte

(übrigens auch das Jahr, in dem die Gebrüder Wright den ersten Motorflug der Geschichte feiern konnten)

1908
1908er Model T
...war der Modell-Buchstabe “T” an der Reihe. Mit diesem Modell wurde zum ersten mal in der Geschichte des Automobilbaus die vollständige Fertigung per “Fließband” eingeführt, Random Eli Olds hatte diese Fertigungsmethode lediglich für Teilbereiche seines Oldsmobile eingesetzt. Die Idee zu dieser Produktionstechnik entnahm Henry Ford einem Erfinder namens “Eli Whitney”, der diese Technik bereits um 1800 im Büchsenbau nutzte. Man kann 1908 also mit Fug und Recht als Urknall des modernen Automobilbaus ansehen.

1909
Der Indianapolis Speedway wird gebaut, auf dem im Jahr 1911 das erstemal die berühmten Indy500 ausgetragen wurden. Was das mit Ford zu tun hat? Nun, Henry Ford war einer der ersten und größten Geldgeber für dieses Projekt

1917Fordson Traktor 1917
Unter dem Firmennamen “Fordson” (Ford and Son) beginnt der Bau von Traktoren

1919
Edsel Ford, der Sohn von Henry Ford übernimmt den Vorsitz der Fordwerke

1922
Ford kauft Lincoln auf und hat damit auch ein Standbein im Geschäft der Luxuslimousinen

1925
Ford zeigte sich wiedermal als Visionär und bereits am 18.8.1925 dehnte er seinen Einflussbereich auch auf Europa aus und gründete die “Ford Motor Company Aktiengesellschaft” mit Stammsitz in Köln. die “FoMoCo” wurde damit zu einem Weltkonzern.

1927
1928er Model A
Nach 19 jähriger Produktion läuft das letzte Model T vom Band. Es wurde insgesamt über 15 Millionen mal hergestellt und war damit bis 1972 das am meisten produzierte Automobil überhaupt. Erst dann wurde die Thin Lizzie durch den VW Käfer von diesem Thron gestoßen. Es hat lange gedauert, bis Edsel Ford seinen Vater in der Konzernleitung überstimmen konnte und den Weg frei machen für ein neues Modell: Das auch heute noch berühmte “Model A”. Henry Ford selber überwachte die Qualität und Technik, während der eher feingeistigere Edsel für das Design verantwortlich zeichnete

1932
Flathead V8
Endlich konnte auch Ford einen V8-Motor anbieten. Es war die Geburtsstunde des berühmten “Flathead-V8”, der bis 1949 weiterentwickelt und gebaut und z.B. bei der deutschen Bundeswehr noch bis in die 60er Jahre hinein für die Bundewehrfahrzeuge eingesetzt wurde. Der Flathead-4-Zylinder wurde parallel weitergebaut, was dazu führte, dass erstmals 2 PKW-Reihen gleichzeitig gebaut wurden. Die V8-Modelle erhielten eine neue interne Bezeichnung, die erstmals vom Alphabet abwich und nun aus Zahlen bestand. Der 1932 Ford mit V8-Motor hieß nun Model 18, während die 4-Zylindermodelle die Bezeichung “Model B” erhielten

1939
Auf Betreiben von Edsel Ford wird die Marke “Mercury” gegründet. Sie sollte eine Position zwischen den Marken Ford und Lincoln einnehmen. Deutlich luxoriöser als die Ford-Modelle, aber gleichzeitig erschwinglicher als die Lincolns.

1943
Edsel Ford stirbt am 26.5. im Alter von gerademal 49 Jahren an Magenkrebs. Der Posten des Vorstandsvorsitzenden wurde damit plötzlich frei und es entstand ein Streit zwischen Henry Ford, der Harry Bennett als Nachfolger vorsah und der Witwe Edsels, die ihren Sohn Henry Ford II zum Nachfolger machen wollte. Die Folge war, das Henry Ford (sen.) im Alter von 79 Jahren nochmals den Posten des Vorsitzenden übernahm.

1947
Henry Ford stirbt am 21.9.1947 im Alter von 83 Jahren und sein Enkel Henry Ford II übernimmt die Geschäftsleitung des Ford-Konzerns.

1955
Das Aktienkapital der Ford Motor Company dass sich bisher in Privathand befand, wird offiziell in ein börsennotiertes Unternehmen überführt. Damit wurde aus der Ford Motor Company die Ford Motor Corporation. Damit einhergehend wurde aus dem Ford-Fahrzeugbau die Ford-Division, als Label innerhalb des Gesmtkonzerns.

1957
Bereits Anfang der 50er Jahre hatten die Marketingstrategen des Fordkonzerns ermittelt, dass ihnen ein Mittelklassemodell fehlt, welches zwischen Ford und Mercury liegt. Dies führte zur Gründung der Marke “Edsel”, eine Hommage an den Vater von Henry Ford II, bzw. einzigen Sohns des Firmengründers. Offiziell wurde die Firma am 4.9.1957 vorgestellt

1964
1964er Ford Mustang
Ein weiterer wichtiger “Milestone”. Lee Iaccocca übernimmt die Geschäfte des Ford-Konzerns. Im gleichen Jahr erscheint der Ford Mustang, durch den eine vollkommen neue Fahrzeuggattung entstand: Das am Modellnamen angelehnte “Ponycar”.

1965
Carrol Shelby, bisher sehr erfolgreich mit seinen Cobras im Rennzirkus unterwegs, wird von Ford beauftragt, auf Basis des Mustang einen Rennwagen zu entwickeln. Dies führte zum ersten Shelby GT350 (R)

Im Jahr 1965 wurde auch der Bau und Vertrieb von Traktoren unter dem Namen “Fordson” eingestellt und nun direkt unter dem Namen Ford weitergeführt

1966
1966er GT40
Ford gewinnt zum ersten mal die “24 Stunden von Le Mans” mit dem legendären GT40. Es sollte der Start sein von 4 Siegen in Folge (1966, 67, 68, 69)

1972
In diesem Jahr wurde die “Motorcraft”-Division gegründet. Unter diesem Namen beginnt Ford mit dem Vertrieb eigener Ersatzteile

1985
Die FoMoCo gründet eine neue Vertriebsdivision namens “Merkur”. Durch diese sollten die europaweit erfolgreichen Modelle in den USA verkauft werden.
Es blieb aber bei einem nur kurzen Intermezzo, denn bereits 1989 wurde dieses “Label” wieder geschlossen.

1987
Hertz Shelbys 66 und 06
Als Teilinhaber des Konsortiums “Park Ride” erwirbt die FoMoCo das weltgrößte Verleihunterhemen Hertz, mit denen es bereits in den späten 60er Jahren Kooperationen unternommen hat (Stichwort Shelby GT-H)

1989
Ford geht einkaufen...genauer gessagt, erwirbt die FoMoCo die englischen Firmen Aston Martin und Jaguar

1996
Ford beginnt ein “Joint Venture” mit Mazda, in dessen Zügen die FoMoCo 33,4% der Mazda-Aktien übernimmt, was sie zum Mutterkonzern von Mazda macht

1997
Die seit Gründung des Fordkonzerns bestehende Produktion von schweren LKW (Heavy duty truck division) wird verkauft.

1999
Volvo wird von Ford übernommen

2000
Auch Land Rover befindet sich nun in Ford-Hand. Im gleichen Jahr kauft Ford die fehlenden Prozente der Aktien von Hertz, womit dieses nun eine 100%-Tochter der FoMoCo ist

2005
Ford will sich wieder verstärkt auf sein Kerngeschäft konzentrieren und verkauft in diesem Restrukturierungsprozess “Hertz” an eine us-amerikansiche Investorengruppe für ca. 15mrd. Dollar

2007
Aston Martin wird wieder verkauft an das britisches Konsortium “Prodrive”

2008
Die Ford-eigene “Premier Automotiv Group”, bestehend aus Jaguar, Volvo, Land Rover wird an den indischen TATA-Konzern verkauft

2009
Die allgemeine Weltwirtschaftskrise, zusammen mit einer bereits seit dem Ende der 90er-Jahre verfehlten Modellpolitik bringt Ford in zum wiederholten male in seiner langen Geschichte in starke Existenznöte, doch im Gegensatz zu den anderen beiden Konzernen (GM und Chrysler) der “Big-3” beantragt die FoMoCo keine Staatshilfen, sondern will aus eigener Kraft überleben

 

Dieser Bericht wird ständig überarbeitet und ergänzt.....also: to be continued :-)